„Reflexion – Ästhetische Referenzen / Fünf Positionen“ Ausstellung im Kunst Archiv Darmstadt

Andrea Gruetzner, "Erbgericht", 2013, Bildrechte Künstlerin

Noch über die Darmstädter Fototage 2014 hinaus zeigt das Kunst Archiv Darmstadt bis 17. Juli fünf unterschiedliche Positionen junger Fotografinnen, die das Thema des Erinnerns und Archivierens auf unterschiedliche Weise umkreisen. Am Donnerstag, 12. Juni 19 Uhr führt Claus K. Netuschil durch die Schau.

Diesmal kann die Auswahl von der Jury der „Darmstädter Tage der Fotografie“ nicht besser zum Kunst Archiv passen. Nicht nur weil passend zur gerade dort zu Ende gegangenen umfangreichen Ausstellung „„Der Weibliche Blick – Vergessene und verschollene Künstlerinnen in Darmstadt 1880 – 1930“ fünf Frauen ausgewählt wurden, sondern auch weil sie allesamt mit dem Thema des Dokumentierens und Archivierens beschäftigt sind. Sandy Volz (Berlin) Arbeiten sind in Hinterzimmern und Lagerräumen orientalischer Geschäfte Kairos entstanden, an Orten der Lagerung und des Verkaufs. Sie gewährt Einblicke in dunkle, menschenleere Räume, deren Waren nur erahnbar bleiben. Eine Lichtquelle in Form von gleißend weißen Neonröhren verdunkelt den restlichen Raum eher noch, statt ihn zu erhellen. So gelingen Einblicke in geheimnisvolle Räume, in stimmungsvolle Interieurs. Auch Petra Warrass (Düsseldorf) hat sich mit dem Thema Innenraum beschäftigt, um anschließend zu ganz anderen Ergebnissen zu kommen. Während ihres Stipendiums in Zagreb im vergangenen Jahr wurde ihr gleichzeitig eine möblierte Wohnung zur Verfügung gestellt. In ihren schwarzweiss Fotografien dokumentiert sie das vorgefundenen Mobiliar, indem sie es verfremdet und wie Skulpturen inszeniert. So werden ein umgekehrter Tisch, eine zusammengeschobene, gummierte Badematte oder ein Duschvorhang aus Plastik zu bildhauerischen Objekten deren karge Tristesse gebrochen wird.

Paula Reissig (Karlsruhe) hat sich nicht weniger vorgenommen, als in einem Buch die Fotografie zu archivieren. Sie hat ein Lexikon der Fotografie verfasst und fünfzig Genres ausgemacht. Ob Hochzeits-, Mode- oder Tierfotografie, ob Porno oder Krieg, jede Gattung hat sie mit acht ihrer Freunde thematisiert und inszeniert. Ob es die Hochzeit vor dem Lokal „Galgenberg“, das vermeintlich glückliche Familienfoto ist, oder die nackten Matrosen im Darkroom sind, stets reduziert sie auf das wesentliche Merkmal der jeweiligen Kategorie, um es mit einem Augenzwinkern ins Komische zu verdrehen. Auch Sara Graetz (Berlin) zeigt einen spielerischen Ansatz bei ihren Fotos, die der Serie „Familienalbum“ entstammen. Mit ihren Arbeiten geht sie ins kleine, klassisch passepartourierte Format. Sie greift typische Posierszenen auf, wie sie bei Familienfesten üblich sind. Wie die Surrealisten tauscht sie Gliedmaßen aus und arrangiert sie in einer Fotocollage vor schwarzem Hintergrund neu – Hände, Füße, Köpfe – nichts passt mehr zusammen.

Andrea Grützner (Berlin), entlockt einem baufälligen Bürgerhaus ungeahnte Farbwunder. In ihrer Heimatstadt Pirna hat sie das „Erbgericht“, ein altes Gerichtshaus, fotografiert und dokumentiert.

Bestechend sind die ungewohnte Ausschnitte, die sie in dem Gebäude entdeckt. Eine leuchtende Farbigkeit in rot, gelb oder blau entsteht durch bunte Schatten, an die geometrischen Formen des Bauhaus erinnern die vorgefundenen Strukturen. Ohne digital zu manipulieren und nur bei Tageslicht gelingen ihr durch die gewählten Ausschnitte ein Maximum an Geheimnis und Abstraktion.

Bis 17.7.2014, Öffnungszeiten Di, Mi, Fr 10-13 Uhr, Do 10-18 Uhr.

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