Berndarda – Letzter Abend von Mei Hong Lin im Staatstheater Darmstadt

Bernarda: Christopher Basile und Ines Fischbach, Bildrecht Barbara Aumüller

So wie sie kam, so geht Mei Hong Lin: ihre erstes und letzte choreographische Arbeit am Staatstheater Darmstadt ist „Bernarda“ frei nach dem Theaterstück „Bernarda Albas Haus“ von Federico García Lorca. Wer vor zehn Jahren die bereits mit Begeisterung aufgenommene Fassung gesehen hat, erlebt mit der aktuellen Version keine eins zu eins übernommene Replik: ganz klar, diese „Bernarda“ gehört mit zu den besten Arbeiten der taiwanesischen Tanztheaterleiterin in Darmstadt.

Bernarda bannt nach dem Tod ihres Mannes nicht nur die psychisch verwirrte Mutter ans Haus, auch ihre jungen Töchter sollen jahrelang trauern, statt sich zu vergnügen oder gar zu heiraten. Eingeschlossen sind sie in das an ein schallgedämmtes Tonstudio erinnernde, weiß verhängte Bühnenbild von Dirk Hofacker, in dem auch Mei Hong Lin auch ihre „Camille“ spielen lässt. Die Musik ist wie vor zehn Jahren von Michio. Seine Flamenco Komposition (Gesang Carmen Fernandez) unterstreicht die spanische Atmosphäre, ist eine stimmungsvolle Resonanz dessen, was auf der Bühne zu sehen ist. Caledonio Indalecio Moreno Fuentes mit weißgepuderter langer Mähne gibt die verwirrte Mutter und bringt Tempo und Dynamik ins Stück, bis sie von Bernarda weggesperrt wird. Auch die Töchter begehren auf gegen die ihnen auferlegte Isolation, nachts wie im Traum schleichen und rollen sich die Tänzer heran, um über sich über sie her zu machen. Das Ensemble zeigt sich von seiner besten Seite: präzise, kraftvoll und ausdrucksstark. Veronica Bracaccini ist Adela, die ausbrechen will und heimlich ein grünes Kleid – als Zeichen der Hoffnung – erst versteckt, dann überzieht. Als sie mit dem zukünftigen Mann der Schwester erwischt wird, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Christopher Basile, der schon in „Rendez-vous – Hier wird getanzt“ mit seinen Choreographien, die vor Humor und Phantasie sprühten, zu sehen war, zeigt sich hier überzeugend als strenge Mutter mit Dutt. Er strahlt durch seine Präsenz und variantenreichen, starren Bewegungen die Strenge aus, die den gesamten Frauenhaushalt in Schach hält. Nuancen erhält sein so unerbittlich wie erhabener Tanz auch in den Duos mit der Magd (Ines Fischbach). Dann heisst es, zu Beginn, wie zum Schluß: Silenzio!

Copyright Julia Reichelt

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