Ballett Revolución in der Alten Oper Frankfurt

BRE-1909photo-by-nilz_boehme

Zwei Jahre nach ihrem ersten Auftritt kehrt die kubanische Tanzshow „Ballett Revolución“ für zehn Vorstellungen in die Alte Oper Frankfurt zurück und knüpft an ihren großen Erfolg an. Die gewagte Mischung aller Tanzrichtungen inklusive Breakdance und Hip Hop mit klassischem Ballett auf Spitze ist ihr Erfolgsrezept. Und das begeistert jung und alt.

Nach zweieinhalb Stunden hielt es keinen der zweitausend Zuschauer mehr am Platz: Standing ovations des kompletten Publikums der Alten Oper am Ende der ausverkauften Show „Ballett Revolución“. Was die 19 kubanischen Tänzerinnen und Tänzer mitsamt der achtköpfigen Band bei der Premiere am Dienstag geboten haben, war mitreißend und atemberaubend. Vom ersten Moment bis zum Schluss hält der Spannungsbogen, den die Künstler aufbauen, choreografiert von Aaron Cash und Roclan Gonzalez Chavez. Der Zauber entsteht durch die wilde Mischung aller nur denkbaren Tanzstile verbunden mit klassischem Spitzentanz – und das zu der einheizenden Musik der achtköpfigen kubanischen Band im Hintergrund der Bühne. Die covern mit Leichtigkeit aktuelle Songs von Rihanna, Jennifer Lopez, Usher und Bruno Mars – eine Mischung, die erstmal nach Mainstream und vor allem jungem Publikum klingt. Doch was auf Songs wie „We found love“ von Rihanna oder „Don´t wake me up“ von Chris Brown auf der Bühne geboten wird, ist zeitlos und begeistert alle. Auch typisch kubanische Rhythmen wie der Mambo werden gefeiert. In der „Mambo Time Maschine“ entfalten die Tänzerinnen und Tänzer ein Spektrum an Bewegungsmöglichkeiten, dass in einer wilden, spielerischen Mischung von Mambo, Salsa, Modern Dance und Ballett mitsamt akrobatischen Einlagen noch nicht auf der Bühne zu sehen war. Die rhythmisch starke Percussion heizt ein, und bei seinem Trommelsolo fliegen die Hände von Luis Palacios Galvez wie Schmetterlinge so schnell über die Congas, dass einem der Atem stehen bleibt. Fiebrig-hitzige Stimmung entsteht auch durch Thommy García Rojas an der Trompete und durch den Gesang von Weston Forster und Noybel Gorgoy Reyes.

Mit waghalsigen Sprüngen, Pirouetten, Flic Flacs oder Radschlagend nehmen die Tänzer den Raum ein und zeigen, dass sie ebenso den kleinsten Radius beherrschen: Zur Variation des „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo zeigen Jenny Sosa Martínez mit Ledían Soto Rodríguez und Heidy Batista García, was mit nur zwei Stühlen als Requisite tänzerisch alles drin ist.

Hervorgegangen sind die meisten Tänzer aus der renommierten Escuela Nacional de Arte (ENA), die erst 1961 in Havanna gegründet wurde und damit vergleichsweise jung ist. Erst zu dieser Zeit wurde dort auch Modern Dance unterrichtet. Lianett Rodriguez Gonzalez hat wie viele der beteiligten Tänzer die ENA mit Auszeichnung verlassen. Sie ist mit ihrer unablässigen Energie eine der präsentesten Tänzerinnen auf der Bühne. Klassisch ausgebildet und meist auf schwarzen Spitzenschuhen zu erleben ist Leydi Marlen Crespo Castillo, die, wenn die Tournee vorbei ist, wieder als Solistin im kubanischen Fernsehballett tanzt. Klassisch ausgebildet ist auch der hellhäutige Yanier Gómez Noda, erster Solist und seit 2013 Meistertänzer der ENA. Kraftvoll, vital und pulsierend werden vor allem die Tänzer in Szene gesetzt, wenn sie in der Gruppe oder allein auf der Bühne sind. Jesús Elías Almenares (ENA) ist so akkurat wie energiegeladen, die Sprünge von Danilo Machado Meneses oder Yasser Pajares Rojas perfekt und lässig zugleich. Raffiniert wechseln sich die Stimmungen der Szenen ab, der schnelle Wechsel zwischen den Tanzstilen, Musikrichtungen, Kostümen lässt kaum Zeit zum Luftholen, so spielerisch-wild ist die Mixtur, die das kubanische Ballett zusammenstellt.

Für jede der 24 Szenen hat der ebenfalls aus Kuba stammende Jorge Gonzales neue Kostüme entworfen, die in kleinen verblüffenden Details die spielerische Leichtigkeit der Tänzer unterstreicht. Den jüngeren im Publikum ist er aus Heidi Klums Castingshow „Germanys next topmodel“ für seine exzentrischen Auftritte als Catwalk-Trainer bekannt.

Kuba ist die Mutter allen Tanzes, ist im Programmheft zu lesen. Dem Satz kann man nach diesem Abend nur noch zustimmen.

Copyright Julia Reichelt, für das Darmstädter Echo

 

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