Nominiert für den Wilhelm Morgner Preis 2016: Anja Hantelmann

Anja Hantelmann, Karussel, Copyright Künstlerin

Bis 12. März 2017 im Wilhelm Morgner Museum, Thoma¤strasse 1, Soest 59494, die zehn Nominierten für den Morgner Preis 2016. Darunter Anja Hantelmann, Offenbach.

“Auslöser” hieß  die Ausstellung von Anja Hantelmann, die im Herbst 2013 in der Regionalgalerie Südhessen zu sehen war. Auf den ersten Blick widmet sie sich alltäglichen Situationen, um dann unmittelbar auf deren bedrohliche Momente hinzuweisen.aus dem Katalogtext von Dr. Peter Joch:

“Anja Hantelmann umspielt in ihren Gemälden die Grenze von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Sie greift dabei vielfach alltägliche Situationen auf, erzählt aber auch beklemmende und schockierende Geschichten von verborgener Gewalt. Zur Serie von Alltagsszenen, in denen die Figuren teilweise ausgeblendet oder nur mittelbar zu erfahren sind, gehört „Auf dem See 03“.
Bildbestimmend erscheint hier eine schimmernde Eisfläche, in der die Kufen von Schlittschuhläufern tiefe Spuren hinterlassen haben. Die Läufer selbst lassen sich nur durch ihr verschwommenes Spiegelbild erahnen. Die Malerei beschränkt sich also auf Spuren, die der
Betrachter zu deuten und durch eigene Gedankenspiele zu ergänzen hat. Genau in dieser Weise läßt sich auch das Gemälde „Im See 6“ verstehen. Dargestellt ist eine Schwimmerin, die ihr Gesicht tief ins Wasser taucht. Die Physiognomie des Mädchens ist kaum erkennbar,
erscheint in wörtlichem Sinne verwässert.

Ihre bildnerische Spurensuche systematisiert Anja Hantelmann in der Serie „Zimmer“. Bildgegenstand der Folge sind ausschließlich verlassene Betten, die höchstens noch den Abdruck eines Menschen zeigen. Auch diese Abbilder leerer ‚Abbilder‘ fordern den Betrachter auf, die Lücken im Bild durch die eigene Phantasie, durch eigene Geschichten und eigene Figuren zu füllen, das Interieur durch Rekonstruktionen zu beleben. Anja Hantelmann lädt die bildnerischen Leerstellen vielfach mit Affekten auf. „Inzwischen leer“ beispielsweise zeigt ein großes,verlassen im Dämmerlicht liegendes Zimmer. Der Betrachter ist in diesem abgedunkelten Raum gefangen. Die Perspektive bietet keine Fluchtmöglichkeit. Die Verweigerung des Sichtbaren im Bild erzeugt so eine beklemmende Szenerie, die an allerlei unliebsame,angsteinflößende Überraschungen denken läßt.

Das Spiel um das Verschleiern oder Verbergen der Welt dreht Anja Hantelmann auch in durchaus amüsanter Weise um. „Im Morgenlicht“ bringt Dinge an den Tag, die vielleicht besser verborgen geblieben wären: Als strahlende Lichtphänomene baumeln hier altertümliche
im Alltagsjargon vielfach als „Liebestöter“ charakterisierte Leibchen und Unterhosen von der Wäscheleine herab. So entsteht ein satirisch wirkendes Alltagsstilleben zum Thema Intimität.

Anja Hantelmann  (…) inszeniert eine Kette von mehrdeutigen Spuren, die der Betrachter auszulegen hat. Diese Vieldeutigkeit verleiht den Bildern eine starke und nachhaltige Präsenz. Sie setzt einen Strom von Assoziationen frei und läßt die Malerei gerade hierdurch zum „Auslöser“ von Phantasien und Erkenntnissen werden.

Dr. Peter Joch, Direktor Kunsthalle Darmstadt
Darmstadt, 2013

 

Am Wochenende 16. und 17. November öfffnet die Künstlerin ihr Atelier in Offenbach. Mehr dazu unter www.anja-hantelmann.de und www.anja-hantelmann.blog.de

Bis 8. 12. ist in Krefeld die Ausstellung ANJA HANTELMANN - WAS MICH WUNDERT in der Friedenskirche, Kultur.Punkt, Luisenplatz 1 zu sehen.


 

 

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