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Making of Art in der Schirn Frankfurt

Den Kunstbetrieb zum Ausstellungsthema machen ist momentan schwer angesagt: Im Pavillon Dänemarks und der nordischen Länder der diesjährigen Biennale in Venedig schwimmt die Leiche des Sammlers im Swimmingpool. In Wien gibt es eine Ausstellung mit dem Titel „Death of the audience“. In Darmstadt hat sich der Bulgare Nedko Solakov einen Jux gemacht und statt der versprochenen Ausstellung verfügt, daß seine Kunst in den Kisten bleibt und er sich mit Edding und tausend Geschichten im Kopf in den Ausstellungsräumen austoben darf. Damit spiegelt er auf subtile Art, wer im Kunstbetrieb die Macht hat. In seinem Fall: ganz klar der Künstler.Witzig und subversiv ist auch die aktuelle Ausstellung in der Schirn „Making of Art“, in der Strukturen des Kunstbetriebs unterschiedlich hinterfragt werden. Wie hochwertig ein Kunstwerk ist, entscheidet mittlerweile einzig der Preis, wie in der ironischen TV-Verkaufsshow von Christian Jankowski. Hier werden Kunstwerke wie Süßwasserperlen oder neue Küchengeräte angepriesen Die Beziehung zum Kommerz hat schon Beuys klar gemacht, als er auf einen Geldschein schreibt „Kunst=Kapital“. Andrea Fraser treibt das Thema Käuflichkeit des Künstlers auf die Spitze indem sie mit demjenigen Sammler ins Bett geht, der den gefilmten Sex mit ihr als Erster kauft. Nicht jede/r KünstlerIn kann jedoch Geld scheffelnd wie Tracey Emin behaupten: „I´ve got it all“. Der angesagte Künstler Nedko Solakov präsentiert seine „Leftovers“, übrig gebliebene Kunstwerke, die er nicht verkaufen konnte und ironisiert damit seinen Erfolg. In einem Video zeigt er, was er alles kann: mit den Ohren wackeln, mit der Zunge die Nasenspitze erreichen und zwei Dinge mehr, die verrät er jedoch nicht. Die tschechischen Künstlerinnen Anetta Mona Chisa & Lucia Tkácová betreiben mehr subversive Kunst: sie stehlen in unbeobachteten Momenten Dinge aus berühmten Galerien – einen Kleiderbügel, ein Stück Kordel, ein Schild u.a. – und stellen es nun als Sammlung aus, als seien es wertvolle Kunstgegenstände. Die unvermeidliche Frage: was ist denn nun Kunst? wird spielerisch und provokativ hinterfragt. Für die Künstlerin Louise Lawler rückt der Museumsraum im Ausstellungsaufbau in den Fokus ihrer Fotografien und nicht etwa das Kunstwerk selbst. Sie entmystifiziert diesen Raum der Hochkultur ebenso wie Candida Höfer, deren Aufnahmen der leeren Innenräume des New Yorker MoMA oder des unbespielten deutschen Pavillons in Venedig den Kultort Museum hinterfragen. Nur noch die Hülle, nicht mehr das Kunstwerk selbst wird interessant. Candida Höfer geht sogar so weit, in fünf Bildschirmen den deutschen Pavillon von außen zu filmen, obwohl sich im Innern richtig gute Fotografien befinden – nämlich ihre eigenen. Die New Yorker Fotografin Tina Barney zeigt Porträtaufnahmen, die vor bizarren Kunstwerken inszeniert sind. Gelangweilte Upperclass-Leute vor Millionenschwerer Kunst. Kurzweilig, spielerisch und humorvoll illustriert diese Ausstellung das Motto der KünstlerInnengruppe Chicks on speed, die zur Eröffnung ein wildes Happening veranstalteten, nämlich: „Art rules“!

THE MAKING OF ART – Schirn Frankfurt 29. Mai – 30. August 2009

 

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