Die Reise durch die Nacht von Celina Valdivia Sanchez

Am Anfang stand die Begegnung mit Max Klingers Radierung „Untergang“ (1884), die vor düsterem Horizont und aufgewühltem Meer einen Ertrinkenden zeigt. Für die mexikanische Künstlerin Celina Valdivia Sanchez wird dies Bild zum Ausgangspunkt ihrer aktuellen Ausstellung „Reise durch die Nacht“. Das Versinken in der Nacht mit all ihren Schattenseiten, Fantasien und Alpträumen hat sie zum Thema. „Das (…) kaum Geahnte“, die „dunkle Seite des Lebens“ wollte Klinger in seinen Graphiken zum Ausdruck bringen. Das trifft auch auf die gezeigten Bilder der Künstlerin zu, die sich in drei Stationen mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken immer tieferen Bewußtseinsschichten und Ängsten annähert. In der ersten Station ihrer Reise denkt sie philosophisch über das Weltall und die Sterne nach. Ihre schwarz-weißen Skizzen heissen „Astrologe“, „Astronom“ oder „Schamane“, sie sind surreal, hermetisch. Die verwendete Technik lässt an Skizzen Alfred Kubins oder Odilon Redons denken. Überhaupt ist das Thema des Versinkens in der Nacht mit ihren Fantasien und Alpträumen ein typisch Symbolistisches – aber auch Mexikanisches. “Mexiko ist symbolistisch und surrealistisch“ sagt die Künstlerin. Das Surreale ist in ihren Werken allgegenwärtig. In den expressiv und stark farbigen Aquarellcollagen, den „Schlafwandlungen“ zeigt sie Gefühle wie Einsamkeit, Gewissensbisse und auch die Angst vor dem Untergang – als ihre persönliche Fassung des Klinger-Motivs. „Was mir an Kunst am meisten gefällt, ist die Fähigkeit zu verstören“ sagt Celina Valdivia Sanchez. Sie beherrscht die malerische Technik der Aquarellcollage virtuos, und erzeugt dabei eindringliche und brutale Seelenlandschaften. Ihre mexikanische Herkunft kommt am stärksten in der letzten Station ihrer Nacht, den “Alpträumen” zum Tragen. Die farbigen Radierungen zeigen Schakale, Kakteen, holzschnittartige Figuren die an aztekische Tempeldarstellungen erinnern. Sie sind stets einsam, schablonenhaft, es gibt kein Miteinander. Dabei leuchten die Farben in mittelamerikanischer Pracht.    

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