SAUVAGE. Emmanuelle Rapin & Angelika Krinzinger ab 4. November im Kunstforum der TU Darmstadt und im Museum Jagdschloss Kranichstein

 

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Mode und Jagd, Märchen und Mythen – die kommende Ausstellung SAUVAGE. Emmanuelle Rapin & Angelika Krinzinger im Kunstforum der TU Darmstadt und im Museum Jagdschloss Kranichstein bezieht sich auf die wilde Natur des Waldes ebenso wie auf die ungebändigte Kraft der Kunst.

Das künstlerische Universum der Künstlerin und diplomierten Haute-Couture Stickerin
Emmanuelle Rapin (*1974 in Épinal, Berlin) verknüpft Mode und archaischer Kunst- und
Kulturtechniken zu einer vielschichtigen und überraschenden Assemblage. Für ihre virtuosen
Kunstwerke nutzt sie Motive wie die Jagd oder handwerkliche traditionelle Tätigkeiten wie das
Sticken. Erstellt aus organischen Materialien wie Knochen, Federn, kostbaren Steinen oder
präparierten Tieren entstehen narrativ aufgeladenen Objekte die unsere Fantasie beflügeln und
in beunruhigende Bereiche führen können.

„Meine Kunstobjekte sehe ich als visualisierte Gedichte, die man anfassen kann.“
(Emmanuelle Rapin)

Der Ausstellungstitel SAUVAGE (frz. „wild“) bezieht sich auf die ungezähmte Natur des Waldes ebenso wie auf die ungebändigte Kraft der Kunst. In der griechischen Mythologie und im Märchen ist der Wald oftmals der Ort von Ungewissheit, Gefahr und Unheil – aber auch von
Metamorphosen: Die Geschichte des Narcissus, die Figur der Göttin der Jagd Artemis,
dionysische Rituale aber auch die Märchen von Hänsel und Gretel, dem Däumling, der sechs
Schwände, Dornröschen, Die Schöne und das Biest sind dort verortet. Die Waldmetapher ist
fast allen Werken Emmanuelle Rapins immanent, in Form von Märchen, die ihren Arbeiten
zugrunde liegen oder über das Material, aus dem sie bestehen.
Für Emmanuelle Rapin ist das Sticken keine friedliche Angelegenheit. Ihr vergoldeter Fingerhut
„The sleeping beauty“ (2010) versinnbildlicht eindringlich die Verknüpfung von Schutz und
Aggression. Der Titel verweist wiederum auf eine ganz eigene Interpretation des bekannten
Märchens: Dornröschen ist nicht nur Opfer, sondern auch Täterin. Mit seiner ritualisierten,
wiederholenden Tätigkeit signalisiert das Sticken zudem den Verlauf der Zeit, markiert ein
einzelner Stich die Zeitlichkeit.Eine Interpretation barocker Stillleben ist ihre Serie von Objekten, die wie Modeaccessoires auch getragen werden könnten. Sie veranschaulicht das Werden und Vergehen, aber auch die fragile Schönheit des Seins. Dafür wählt sie so unterschiedliche und ungewöhnliche Materialien wie das Fell von Säugetieren, Korallen, Perlen, Vogelfüße oder Sexualorgane von Pflanzen. Objekte wie Plaie d ́épaule, Les muselées amoureuses oder Roccoco bellette veranschaulichen die die Ambivalenz einer handwerklichen Tätigkeit an, die mit Nadel und Faden pflegen, reparieren und neu erschaffen kann an, aber auch brutal vorgehen muss, um sie zu kreieren.
Im Jagdschloss Kranichstein werden Emmanuelle Rapins Objekte den historischen Stillleben Exponaten des Museums gegenübergestellt.

Auch die Fotoserie An Hand von Angelika Krinzinger ist assoziationsgeladen: Krinzinger hat
die historische Porträtgalerie der Habsburger in Schloss Ambras bei Innsbruck fotografiert, sich jedoch ausschließlich auf die Hände fokussiert. Der restliche Teil des Körpers fehlt. Durch die serielle Reihung dieser verschiedenen „Hand-Porträts“ mit ihrer unterschiedlichen Gestik
entsteht eine Semiotik der Gesten, eine Art Geheimsprache. Was die jeweilige Handhaltung zu
bedeuten hatte, Hinweise auf Tugendhaftgkeit etwa, moralisches Verhalten oder Jungfräulichkeit, konnte in der damaligen Zeit entschlüsselt werden, Heute ist dies nicht mehr
der Fall. An Hand stellt provozierend die Frage nach dem Ganzen und der Bedeutung des
Details, früher und heute. Zudem lädt An Hand zur Auseinandersetzung ein über die
Kommunikation in historischer Zeit und den aktuellen Gebrauch von Sprache und Gesten.

Die Künstlerinnen
Emmanuelle Rapin ist 1974 in Épinal geboren. Sie hat an der international renommierten
Haute Couture Stickereischule („Conservatoire de Broderie“) in Lunéville studiert und 2018 ihr
Diplom in Kunststickerei („broderie d ́art“) gemacht.
Emmanuelle Rapin arbeitet regelmäßig für das neue Trend-Luxus-Label Rianna+Nina.
Von 1998 bis 2002 hat sie an der Kunsthochschule École Nationale Supérieure des Beaux-arts
bei Jean-Luc Vilmouth, Paris, studiert. Zuvor absolvierte sie ein Studium der Modernen
Französischen Literatur an der Universität von Bourgogne in Dijon und ein Studium der
Kunstgeschichte an der Universität Paris I Panthéon Sorbonne, Paris. 2003 bis 2005 erhielt sie das Stipendium des Forschungsprogramms La Seine – für zeitgenössische Kunst- bei Tony Brown an der École Nationale Supérieure des Beaux-arts in Paris.
Seit 2006 arbeitet Emmanuelle Rapin als Künstlerin in den Bereichen Installation, Zeichnung,
Stickerei und Textilobjekte. Sie lebt und arbeitet in Berlin.Ausstellungen / Projekte (Auswahl)
Seit 2014: Kunststickereiprojekte für folgende Modesignerinnen und Modedesigner :
Rianna+Nina, Tata Christiane, Lou de Bétoly, Rebekka Grimm Couture, Valéria
Piskounova, Schmuck-Designprojekte (Unikate) für Sammler und Juwelierboutiquen
2013-2014: Kunststickerei für Augustin Teboul
2012: „Mille e Tre“, Galerie Rue Francaise by Miss China, Paris
2011: „Lage 3:20 #4 Wunderkammer“, Galerie Lage 3:20, Berlin
2011: „Rag Revolution!“ Hannover Workshop.e.v und Kunsthaus Faust, Hannover
2010: „Fresco Mondo“, AYRAN & YOGA – BERLIN KREUZBERG BIENNALE
2010: „Equinox 1 und 2“, Grimmmuseum, Berlin
2009/2010: „Pandoras Box, Fragments of Feminity“ BAC 09, CCCB, Barcelona
2009: „Gedanken zur Revolution#3“, Leipzig
2008: „Between us…11“, Galerie Miss China Beauty, Paris
2008: „Brief an den Vater“, Galerie Pitrowski Berlin
2008: „Slick Dessin“, Messe für Zeichnung,
Galerie Miss China Beauty, Espace 104, Paris
2006: „Riches et Célèbres“ Kunstmesse Jeune création 2006, La Bellevilloise, Paris
2005/2006: „A Fleur de peau“, Galerie Eric Dupont, Paris
2005: „Beyond the Copan“ Espace Paul Ricard, Paris
Angelika Krinzinger ist 1969 in Innsbruck geboren. Sie hat das Kolleg für Fotografie
(Graphische Lehr- und Versuchsanstalt) in Wien besucht, wo sie lebt und arbeitet. Ihre
fotografischen Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt.
Ausstellungen (Auswahl)
2016: „AK“,Galerie Krinzinger, Wien
2014: „An Hand“, Schloss Ambras, Innsbruck
2013: IlanEngel Gallery, Paris
2013: „I never met my grandfather“, Galerie Arthouse, Bregenz
2012: „Muttermilch“, Galerie Krinzinger, Wien
2009: „The skin of things“, Espacio Distrito Cu4tro, Madrid
2008: „Woodnotes“, Galerie Krinzinger, Wien
2007: „Contact“, Gallery Luxe, New York
2006: Galerie Krinzinger, Wien
2005: Galerie White 8, Villach
2004: Galerie TO B.ART, Saint Barth
2003: Galerie Actuellement, Paris

Dauer der Ausstellung: 04. November 2018 bis 24. Februar 2019
Es erscheint eine Begleitpublikation.Mehr Informationen unter www.tu-darmstadt.de/kunstforumund unter www.jagdschloss-kranichstein.de

 

 

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