“all the stories that should be told” Ulrike Rothamel in der Regionalgalerie Südhessen

Ulrike Rothamel, Jeder Mensch ist eine Insel II, Bildrechte Künstlerin

„Eigentlich will ich immer Geschichten erzählen.“ sagt die Darmstädter Künstlerin Ulrike Rothamel und das drückt auch der Ausstellungstitel aus, den sie ihrer aktuelle Schau in der Regionalgalerie Südhessen gegeben hat: „all the stories that should be told“. Ihre Bilder sind narrativ und lassen gleichzeitig so Vieles offen, dass der Betrachter seine eigene Fantasie spielen lassen muss, um die darin verborgenen Geschichten zu entdecken.

Die Inspiration für ihre Bilder lässt sie sich auch von den Geschichten anderer Menschen liefern: Vor einem Jahr begann ihre bislang größte Arbeit, an der Ulrike Rothamel immer noch weiter arbeitet. „Répondez s’il vous plaît – um Antwort wird gebeten“ besteht aus bislang 68 15 mal 15 Zentimeter großen künstlerisch gestalteten MDF-Platten, die auf Einsendungen von Privatpersonen basieren. An mehr als 300 Bekannte und Unbekannte hatte sie die Bitte gemailt, ihr das wichtigste Erlebnis ihres Lebens zuzusenden. Eine ganze Bandbreite an Medien ist als Antwort bei ihr gelandet, von Familienfotos, über Gedichte und Prosa, Zeitungsartikeln und Musik. Aus diesem „Material“ hat sie wiederum etwas Neues gemacht, das ursprüngliche Ereignis verrätselt und eine Portion Unheimliches dazugegeben. Wie bei dem Bild von sechs Kindern in der Badewanne und einer im Bildrand stark angeschnittenen Person mit einer Arztspritze. Die ursprüngliche, harmlos spielerische Situation bekommt durch die Interpretation etwas Beklemmendes. In „We can be heroes“ (2016) ist ebenfalls die erwachsene Person, an die sich ein Kind anlehnt, nicht erkennbar. Nicht naturalistisch, eher collagenartig komponiert sie Figuren und Hintergrund. Kinder sind auf vielen ihrer Arbeiten die Hauptperson. Ein kleine Mädchen in „Jeder ist eine Insel II“ (2014) schaut missmutig am Betrachter vorbei. In „Alles was ist“ (2013) springt ein Kind hoch in die Luft, scheint zwei Welten miteinander zu verbinden: eine wilde, naturähnliche, die das Bild zusammenhält und eine urbane. „Eins-zwei-drei-vier-Eckstein“ zeigt ebenfalls ein eigenwilliges Persönchen, wieder ist es der Blick, der neben dem Hintergrund uneindeutig bleibt: ein kleines Mädchen, das wartend nach oben schaut. „Was mich bei den Menschen einfängt, ist der Blick“.

Zu Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit hat Ulrike Rothamel, die an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach Bühnenbild studiert hat, ihre Bilder allein in Rottönen gehalten, um sich selbst zu strukturieren, wie sie sagt und „weil man mit Rot so Vieles ausdrücken kann“. In Kombination von Blau- und Rottönen sind auch heute noch die meisten ihrer Bilder. Die Flächen in Acrylfarbe, hat sie für die Körper- und Gesichtspartien eine eigene Technik entwickelt. Mit Buntstiften schraffiert sie horizontale Linien, die überlagert eine ganz eigene Struktur ergeben.

Bei ihrem Projekt „Répondez s’il vous plaît – um Antwort wird gebeten“ arbeitet sie mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken, zeichnet am Computer oder per Hand, übermalt mit Aquarell, integriert Texte.

Sie gibt Rätsel auf und jeder kann sich seine eigene Geschichte ausdenken. Oder sich beteiligen, indem er der Künstlerin sein wichtigstes Erlebnis zukommen lässt.

Die Ausstellung ist noch bis 30. August 2016 in der Regionalgalerie Südhessen zu sehen.

 

Für das Darmstädter Echo, Copyright Julia Reichelt

 

Ulrike Rothamel - We can be heroes

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