Rigoletto im Staatstheater Darmstadt

Thomas Mehnert in Rigoletto, Copyrights © Candy Welz

Dritte Station einer Erfolgsinszenierung. Mit starken Bildern und einfühlsam erzählt Intendant Karsten Wiegand die Geschichte des „Rigoletto“. Die Oper von Guiseppe Verdi hat er ursprünglich 2006 für die Staatsoper Hannover inszeniert, drei Jahre später in Weimar aufgeführt und nun für das Staatstheater Darmstadt weiterentwickelt.

Auch wenn der Beginn Klamauk erwarten lässt, als die männliche Hofgesellschaft bunt gestrumpft am Pissoir steht, sich später der Herzog bei seiner berühmten Arie „La donna è mobile“ als Matrose verkleidet von Maddalena peitschen lässt – Karsten Wiegand gelingt mit seinem Team Bärbl Hohmann (Bühne), Alfred Mayerhofer (Kostüme) und vor allem den herausragenden Sängerinnen und Sängern ein berührender Blick auf die tragische Gestalt des Hofnarren Rigoletto, der ungewollt seine eigene Tochter meucheln lässt. Wenn inmitten dieser Spaßgesellschaft mit Monterones Fluch das Unheil hereinbricht und der mit einem Ruck den roten Samtvorhang von dem Gerüst herunterreißt, auf dem eben noch die Kapelle spielte. Bildstark entblößt er das hohle Hofgetue und zieht den endlos langen Umhang wie eine Blutspur hinter sich her.

Ein Lichtkegel, der nur ihn erfasst, macht die Einsamkeit Rigolettos (Sangmin Lee) spürbar.

Auch das runde, vollmondartige Clownskostüm wird zum Symbol, weil es ihm keine Öffnungen für die Arme lässt. Rigoletto ist so auch durch die Kleidung ein Versehrter, in seiner Rolle wie in seinen Gefühlen gefangen. Später schält sich Gilda (Anna Palimina) aus seinem Gewand heraus, so symbiotisch sind die Beiden miteinander verstrickt.

Im Lichtschein gibt es außer ihnen nun nichts mehr, das Drumherum versinkt im Dunkel. Wie in einem Brennglas fokussiert sich die Inszenierung auf die Beziehung zwischen ihnen, gesanglich und schauspielerisch mit Palimina und Lee stark besetzt.

 

Wenig aber wirkungsvolle Staffage gibt den Szenen den märchenhaften Zauber: die sechs monumentalen Kronleuchter zum Beispiel, die von der Decke schweben. Als Gilda ihrem Vater das Geständnis ihrer Liebe macht, schaukelt er sie sanft auf einem der riesigen Kronleuchter. Mehr braucht es nicht an Requisiten auf der leeren Bühne.

Denn so versteckt vor der Welt wie es der Vater gern hätte, lässt sich ja Gilda bekanntlich nicht halten und ist dem als Studenten verkleideten Herzog (Andrea Shin) ins Netz gegangen. Der Schürzenjäger betört mit immer den gleichen Zaubertricks die Frauen, schlüpft in unterschiedliche Rollen, um sein Beutefeld zu erweitern. Erst zündelt er ein Papier, dann zaubert er eine Rose daraus. Und alle Frauen fallen darauf rein. Schulmädchenhaft und unschuldig auch Gilda. Und sie geht dann in ihrer Liebe so weit, dass sie sich statt seiner morden lässt – und der eigene Vater als Drahtzieher dieser Racheaktion ebenfalls zum Opfer wird.

Die Hofgesellschaft erscheint in roten Pyjamas, traumwandlerisch und kindlich wird die Geschichte wie ein melancholisches Märchen erzählt. Das ist die Stärke der Inszenierung, die Verdis Musik den vollen Raum lässt und durch poetische Bilder noch sensibel unterstreicht.

 

Für die April Ausgabe der kulturnachrichten, Copyright Julia Reichelt

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