Ausstellung „WEISS“ im Atelierhaus Riedeselstraße

LB_06214nSo farbig kann Weiß sein. 21 Künstlerinnen und Künstler setzen sich mit der hellsten aller Farben auseinander und zeigen bis zum 21. Februar 2016 im Atelierhaus Riedeselstraße wie vielseitig damit umgegangen werden kann, malerisch-gestisch, graphisch oder mit Licht, als Installation, Skulptur, Film oder Keramik.„Mein Freund Serge hat sich ein Bild gekauft…es ist weiß mit weißen Streifen.“ So beginnt eine der meistgespielten Komödien Frankreichs, Yasmina Rezas „Kunst“. Und tatsächlich hängt auch in der Ausstellung „WEISS“ des Atelierhauses ein solches Bild. „Eine Ausstellung über Weiß ohne ein Gemälde von Bruno Erdmann zu machen, ist undenkbar“, sagt die Künstlerin und Ausstellungskuratorin Katrin Beger-Merla. Ein Glücksfall, dass gerade vor kurzem ein Bild des renommierten Darmstädter Künstlers in das Kunst Archiv Darmstadt gelang und es der Vorsitzende, Claus K. Netuschil, für die Ausstellung zur Verfügung stellen konnte. Bruno Erdmanns monochromes Gemälde ohne Titel ist weiß und hat, so sagt Beger-Merla, auch weiße Streifen. Die sind nur für den Betrachter auf den ersten Blick nicht sichtbar. Und genau darum geht es auch in der Schau: um das Sensibilisieren des Betrachters, der vielleicht mehrmals hinschauen oder länger dabeibleiben muss um die vielen feinen Nuancen wahrzunehmen. Wie bei dem Video „Das zweite Gebot“ von Uschi Niehaus, in dem ebenfalls ein weißes Bild im Fokus ist und dessen feine Farbunterschiede erst beim heranzoomen erkennbar werden. Hierfür hat die Künstlerin 2013 den ersten Filmpreis des Guardini Stiftung erhalten.

Eine weitere Berühmtheit hängt direkt neben Erdmanns Gemälde. Die in Darmstadt aufgewachsene, international bekannte Künstlerin Lore Bert ist mit zwei Bildobjekten vertreten. Die inzwischen 80jährige Papierkünstlerin war eine der ersten Wunschkandidatinnen für die Schau im Atelierhaus. An ein Readymade aus Verpackungsmaterial erinnert das im vergangenen Jahr entstandene quadratische Objekt aus kleinen aufgeplusterten Vierecken, daneben zeigt die „Weisse Zeit“ (2006) aus zart aufgefächertem Japanpapier, wie sinnlich und poetisch Bert mit dem filigranen Material asiatischer Papiere umzugehen versteht. Immer wieder geht um die Haptik und Struktur der Oberflächen, die an die Stelle des Farbrausches treten und die Sinne schärfen. Ob bei der in den Raum gehenden „Kugel im Quadrat“ der Aschaffenburger Künstlerin Irmtraud Klug-Berninger oder den Collagen von Helene Hess. Auch Fritz Klemm, Vater der Fotografin Barbara Klemm, ist mit der akkurat-graphischen Papiercollage „Die Wand“ vertreten. Er war einer der wichtigsten Lehrer für Beger-Merla. Seit vierzig Jahren beschäftigt sie sich inzwischen mit dem Phänomen Weiß, malte schon während der Studienzeit an der Akademie in Karlsruhe weiße Bilder, während ihre Kommilitonen dies in Bunt taten – und erhielt dafür 1970 den Preis der Kunstakademie. Ihre Kunst lebt vom Relief und von geweisstem Nesselstoff, den sie näht und befüllt, bis sich reliefartig und plastisch vegetabile oder zackige Muster abheben, wie bei ihrem „Formenalphabet“ aus dem Jahr 2000.

Jaró hat das 2007 erfolgte Nichtraucherschutzgesetz zum Anlass für ein groß angelegtes Kunst-Projekt genommen. Zwei Bilder aus dieser Serie sind zu sehen, die „Anatomie des Rauchens I und II“, entstanden 2013. Auf ihnen sind Zigarettenkippen und Streichhölzer des Künstlers selbst verarbeitet, die einen Weg markieren, der zum Horizont aufsteigt. Gundel Hädeler hat eigens für die Ausstellung ein raumgreifendes Mobile gestaltet, dass aus zartem Büttenpapier den Buchstaben W und das Wort Weiß aufgreifen. So zart das Windspiel im Luftflug flattert, so bewegen sich auch die weißen Blätter der Pfingstrose in Micheala Schrabecks Video „Licht/light“. Ob Weiss nun eine Farbe oder ein physikalisches Phänomen ist, spielt dabei keine Rolle mehr.

Copyright Julia Reichelt, für das Darmstädter Echo

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>