Meg Stuart “Hunter” im Mousonturm Frankfurt

Meg Stuart Hunter, Bildrechte Iris Jahnke

Am 5. und 6. März kommt die amerikanische Choreographin Meg Stuart mit ihrer Company Damaged Goods im Rahmen der Tanzplattform Deutschland ins Staatstheater Darmstadt. Im Mousonturm trat sie nach langer Zeit wieder selbst ohne ihr Ensemble als Performerin auf und zeigte ihr erstes abendfüllendes Solo „Hunter“.In den 90er Jahren war sie oft zu Gast im Mousonturm in Frankfurt, dann wurden ihre choreographischen Arbeiten zu groß für diese Bühne. Mit „Hunter“ füllt sie den Raum nun ganz allein – und da war ihr erst mulmig, wie Meg Stuart im Gespräch mit Gerald Siegmund im Anschluß an die Vorstellung erzählt. Doch ihre Szenografin Barbara Ehnes kreiert ihr einen Rahmen aus drei Projektionsflächen, die die offene Bühne umfassen, einem angedeutetes Dach aus Kupferrohren und einer Wand aus Schaffellteppichen, solche, die Stuart, beim Kundalini-Yoga einsetzt. Denn um sie selbst dreht sich die autobiographische Performance, um ihre Kindheit und Punker-Zeit im New York der achtziger Jahre, als sie dort anfing, Tanz zu studieren. Technisch hoch aufwendig lässt sie ein fragmentarisches Panoptikum erstehen, dass mit flackernden Super-8-Videos, mehrfach überlagerten Tonspuren und ihren im ersten Teil abgezirkelten Bewegungen, die die Zeit zurückdrehen wollen und wie ein Uhrwerk agieren. Später sind es schamanistische Gesangsrituale, die sie assoziieren lässt oder die typisch abgehackte Art zu tanzen der Achtziger Jahre, zwischen Pogo und Breakdance.

Hinter ihrer eineinhalbstündigen Suche nach der verlorenen Zeit steht ein Team von 16 Leuten, vom Sounddesign (Vincent Malstaf) über Video, Dramaturgie und zahlreichen Assistenten. Der Sound soll Erinnerungen antriggern, Geräusche von sich schließenden Türen oder Schlüsselgeklapper, Tonspuren mit Aufzeichnungen aus Gesprächen mit ihrer Mutter mischen sich mit dem Gesang von Pattie Smith und quietschenden Elektrotönen.

In das Heraufbeschwören der eigenen Vergangenheit werden zahlreiche Requisiten miteinbezogen: ein buntes Fantasiekostüm mit integriertem rosa Elefanten, der sich von ihr reiten lässt, eine überdimensionale blonde Perücke, eine Plexiglasscheibe, die bunt angeleuchtet wird. Mit zahlreichen Anspielungen spickt sie ihre One-Woman-Show, ob es die Performance „Cut piece“ von Yoko Ono ist, die sie mit sich selbst als Akteurin nachdreht. Oder der Verweis auf Jonas Mekas, den Regisseur der amerikanischen Avantgarde, der einen ganzen Film aus seinen 30 Jahren Tagebuchnotizen gemacht hat. Nicht alle Anspielungen lassen sich beim ersten Mal für den Zuschauer entdecken, gibt sie im Gespräch zu. Ihre Antworten auf die Fragen von Gerald Siegmund bleiben oft – ebenso wie ihr Stück – bruchstückhaft.

Als sie innerhalb ihrer Performance hingegen zu sprechen beginnt, von ihrer Jugend erzählt und generell ihre Meinung zur aktuellen Gesellschaft kund tut, ändert sich die Stimmung schlagartig. Auf einmal ist die Präsenz da, die zuvor in ihrem Bewegungstheater gefehlt hat, wird der Abend dicht.

 

Zur Person

Meg Stuart ist 1965 in New Orleans geboren und lebt in Berlin und Brüssel. In den achtziger Jahren wurde sie tanzmässig aktiv und studierte an der New York University. 1994 gründete sie ihre eigene Kompanie „Damaged Goods“ mit Standort in Brüssel. Seitdem hat sie mehr als dreißig Soli und Choreographien, Installationen und Performances kreiert. Bis 2017 kooperiert sie mit der Ruhrtriennale.

Am 5. und 6. März zeigt sie innerhalb des Tanzplattform-Festivals ihr neues Stück Meg Stuart/Damaged Goods „UNTIL OUR HEARTS STOP“, in dem sie sich erneut mit den fragilen Zuständen der Seele auseinandersetzt, wie es in der Ankündigung heisst. Ihre „Seelenforschung“ oder „Stuarts neue Performance über Sex und Körper“ wie eine Zeitung titelte, hatte am 18. Juni 2015 in den Münchner Kammerspielen Premiere und ist für ein Publikum ab 18 Jahren.

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