Am 28. Mai und 3. Juni: Nur noch zwei Mal Yasmina Rezas Stück Bella Figura

Yasmina Reza, Bella Figura, Bildrechte H. Holzmann

Bekannt geworden ist die französische Schriftstellerin Yasmina Reza mit scharfsinnigen Komödien, die menschliche Abgründe offenlegen wie „Drei Mal Leben“, „Kunst“ oder „Der Gott des Gemetzels“. Ihr neuestes Stück „Bella Figura“, hatte in den Kammerspielen Premiere. Vom Lachen ist nicht mehr viel übrig geblieben.Ich weiss nicht, sagt Andrea am Ende des Stücks und ratlos bleibt auch der Zuschauer nach den 90 Minuten von Yasmina Rezas „Bella Figura“ zurück. Dabei hätte es ein so schöner Abend werden können. Boris (Thomas Meinhardt) und seine Geliebte Andrea (Judith van der Werff) stehen auf einem Parkplatz vor einem Luxusrestaurant – ein Tipp von Boris Frau Patricia. Doch statt dort essen zu gehen oder „lieber gleich ins Ibis zum Vögeln zu gehen“, wie Boris vorschlägt, zetern die beiden wie ein altes Ehepaar und treffen noch dazu auf die beste Freundin Patricias, Françoise (Jele Brückner), die mit Freund Eric (Matthias Znidarec) und dessen Mutter Yvonne (Margit Schulte-Tigges) im gleichen Lokal deren Geburtstag feiern will.

Wie in Samuel Becketts „Warten auf Godot“ wird sich die Situation nicht mehr auflösen, kein Ausgang wird sich aus dieser prekären Lage bieten. Stattdessen versuchen alle „bella figura“ zu machen und ihr Gesicht zu wahren. Doch das wird zunehmend schwieriger, denn Boris ist nicht mehr der Jüngste und steht vor der Insolvenz, Andrea ist alleinerziehende Apothekengehilfin und tablettensüchtig und auch Yvonne versucht sich ihren dementen Seniorenalltag mit Tabletten zu versüßen. Françoise gibt die Tugend in Person und Eric versucht, vordergründig höflich, den Geburtstag seiner Mutter zu retten. Doch irgendwann dreht auch er ab und knüllt Toilettenpapier ins Klo, um es zu verstopfen. Dann quillt Schaum auf die sonst leere Bühne, die sonst nur noch einen Querschnitt durch die Sanitärräume des Lokals zeigt (Bühne: Lani Tran-Duc), bis er sich türmt und alle darin herum waten, sich wälzen oder darin sitzen. Regisseur Bernhard Mikeska hat sich Einiges einfallen lassen, um den Abend grotesk zu gestalten. Zu Beginn lässt er die Darsteller Zeilen aus Chansons von Serge Gainsbourg oder Dalida und Alain Delon singen, absurde Momente, die die Figuren durch den Liedtext noch dichter charakterisieren. Etwa wenn Andrea Playback zu „Petite Salope“ („Kleine Schlampe“) oder „Parole, parole“ singt (Sounddesign Sebastian Franke).

Bislang war es Yasmina Rezas Erfolgsrezept, unterschiedliche Charaktere wie in einer Laborsituation als Versuchskaninchen zusammenzupferchen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Das Auftragswerk für die Berliner Schaubühne hat sich schon bei der Uraufführung im Mai dieses Jahres als Flop herausgestellt – doch da war das Stück schon für Darmstadt geplant. Auch wenn der Schaum überbordend ist, er täuscht nicht über die innere Leere der Figuren hinweg.

Julia Reichelt

 

 

 

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