Bis 15.2. 2016: Isabelle Dutoit “Girgentana” in der Regionalgalerie Südhessen

Isabelle Dutoit, Tiger, Öl auf Leinwand, 2012

Vor zehn Jahren hat die in Leipzig lebende junge Malerin Isabelle Dutoit den ersten Preis der Darmstädter Sezession erhalten. Nun zeigt sie bis 15. Februar 2016 in der Regionalgalerie Südhessen ihre aktuellen Gemälde, Zeichnungen und Lithographien.„Girgentana“ – rätselhaft und geheimnisvoll klingt dieser Ausstellungstitel, den sich Isabelle Dutoit für ihre Schau in der Regionalgalerie Südhessen ausgedacht hat. Der Name unterstreicht das Mystische in ihren Bildern, die meist angedeutete Urwaldszenerien zeigen oder eine diffuse Vegetation, aus der heraus Tiere schemenhaft erkennbar werden. Naturfragmente, Wölfe, Hunde oder auch Pferde dienen ihr als Spielball für malerische Experimente wie Verschleifungen, Spachteln, das Spiel mit dem Vordergrund und Hintergrund. Weich miteinander verschliffen wie bei einem Sfumato oder durch harte Farbzonen kombiniert sie abstrakte mit konkreten Darstellungsformen. In ihren Suchbildern entdeckt der Betrachter erst nach und nach, welche Wesen sich darin befinden. So sind in „Urwald“ (2014/15) inmitten einer rätselhaften Urlandschaft sieben Tiere versteckt, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.

Seit 2001 setzt sich die in Darmstadt aufgewachsene Meisterschülerin von Arno Rink (Leipzig) mit der Malerei auseinander. Anfangs fand sich vor allem die eigene Person als fragmentarische Figur im Bild. Das Thema des „Im-Bild-Seins“, des Bildes als Bühne ist für sie auch heute noch zentral. Von der Figur ist sie aufs Tier gekommen, das den emotionaler Zugang zum Bild sichert, wie bei dem Kleinformat „Hunde“ (2013). Wie sehr sie dabei auch das künstlerische Handwerk versteht, zeigt sich nicht nur in den filigranen Bleistiftzeichnungen, etwa von den meterhohen Lobelien, wie sie in im Regenwald des Ruwenzori-Gebirges im Kongo heute noch wachsen. Urwaldlandschaftem mit selbsterfundener Vegetation findet sich in ihren malerischen Camouflage-Bildern.

Fotorealistisch sind die Partien der erkennbaren Tiere. So hat sie für das Gemälde „Tiger“ (2013) mit einem Einhaarpinsel minutiös jedes einzelne Fellhaar gemalt, ein dreiviertel Jahr hat das bei diesem großformatigen Gemälde gedauert. Fotorealismus komplett interessiert sie nicht, vielmehr deutet sie Partien an und lässt offene Stellen im Bild. „Ich verstecke die Figuren und Tiere in Farben.“ Was sie interessiert, ist die Farbe an sich. Und die ist oft wässrig-sumpfig, zart türkis-grün oder kräftig königsblau, wie bei „Tiger“. Verrätselt und nicht plakativ sind ihre Bilder.

Auch wenn man weiß, dass Girgentana die Gattungsbezeichnung einer Ziege mit gedrehten Hörnern ist. Dies in der Kunstgeschichte stark besetzte Motiv symbolisiert das Diabolische, Bedrohliche und findet sich auf mehreren der ausgestellten knapp 30 Gemälde und Zeichnungen. Und so wirkt die „Ziege (doppelt)“ (2015) wie eine Todebotin. Janusköpfig spiegelt sich sich und blickt geisterhaft und sehr menschlich den Betrachter an.

Copyright Julia Reichelt, für das Darmstädter Echo 23.12.2015

RPziege

 

 

 

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