Artist in Residence – Alexander Whitley

Alexander Whitley, Bildrechte Hugo Glendinning

Seit 29.November ist der in London ansässige Tänzer und Choreograph Alexander Whitley neuer Residenz-Künstler des Hessischen Staatsballetts. Am letzten Tag des Aufenthalts, am kommenden Samstag, gibt er um 20 Uhr Einblick in die Arbeit seines neuen Duos „Pattern Recognition“ im Ballettsaal in Darmstadt. Ein Probenbesuch.Alexander Whitley hat nicht nur seinen Digitalartisten Memo Akten und seine beiden Tänzer Nathalie Allen und Javier Pérez mitgebracht, sondern er hat auch acht Scheinwerfer-Roboter, drei große Screens und einige Computer im Reisegepäck. Schon bei seinem letzten Stück „The Measures Taken“ hat Whitley mit Memo zusammengearbeitet, auch jetzt geht es wieder um das Zusammenspiel von Mensch und Technologien. Technisch hoch aufwendig, hat der aus Istanbul stammende Künstler eine Software entwickelt, die die Scheinwerfer auf die Tänzer reagieren lässt und programmiert auch noch im Ballettsaal parallel zu den Proben. Die Lichtkegel imitieren Gesten der Tänzer und generieren daraus ein Muster aus Lichtbewegungen. Darauf verweist auch der Titel des Stücks „Pattern Recognition“. Wie Algorithmen im Internet, etwa wenn einem Angebote präsentiert werden, die sich daran orientieren, was man bereits gekauft hat. So reagieren die Leuchtkegel auf der Bühne auf die Gesten der Tänzer, imitieren sie und schlagen neue Bewegungen vor. Noch sind Computer auf der Bühne, die die Bewegungen der Tänzer aufzeichnen und an die Scheinwerfer übermitteln. Bei der Aufführung wird man auf der komplett schwarzen Bühne nur noch die Scheinwerfer selbst sehen, die als Roboter den Tänzern zu Leibe rücken. Wie menschliche Lebewesen, sind sie von Memo als starke Charaktere programmiert, die beobachten und verfolgen.

Seit der Gründung seiner eigenen Tanzkompanie „Alexander Whitley Dance Company“ im vergangenen Jahr beschäftigt sich der an der Royal Ballet School in London ausgebildete Withley mit der Verbindung von Technologien und Tanz. In seiner neuen Produktion schlägt sich auch die Lektüre des Buchs „The Shallows – what the internet is doing to our brains“ von Nicholas Carr nieder (auf Deutsch: Surfen im Seichten: Was das Internet mit unserem Hirn anstellt, 2013), wie er im Ballettsaal erzählt. Die Überpräsenz des Internets war zu Beginn der Proben noch mit zahlreichen Kameras auf der Bühne deutlich gemacht, jetzt ist die Big-Brother-Atmosphäre auf die beobachtenden Scheinwerfer, die immer mehr Eigenleben bekommen, reduziert. Die Musik ist ein Mix aus elektronischen und klassischen Minimalklängen von Oliver Coats (Cello) und Scanner (Sounddesign) komponiert. Sie spielt künstlerisch mit Loops und Repetitivem, ergibt so selbst ein Muster aus Klängen.

Seit Mai arbeitet der 35jährige Whitley an „Pattern Recognition“, in immer wieder wechselnden Residenzen, weil in London eine feste Räumlichkeit fehlt. 30 Versatzstücke des Duos hat er mit nach Darmstadt gebracht. Hier im Ballettsaal soll es auf eine Dauer von etwa einer Stunde verkürzt werden. Noch tanzt Javier Pérez als Stellvertreter den Part von Alexander Whitley. weil es ihm leichter fällt zu choreographieren, wenn er nicht gleichzeitig tanzt. Bei der Premiere nächstes Jahr im April im Londoner Platform Theatre tanzt Whitley dann selbst.

Copyright Julia Reichelt, für das Darmstädter Echo, 12.12.2015

 

 

 

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