Sie war die Schönste im ganzen Land – Boticelli im Städel Frankfurt

Sandro Botticelli (1444/45-1510)  Weibliches Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe)  Pappelholz, 81,8 x 54 cm  Frankfurt, Städel Museum

 

Die junge Florentiner Schönheit Simonetta Vespucci verkörpert wie keine Andere das weibliche Idealbildnis ihrer Zeit. Verweigt auf vielen Gemälden Sandro Boticellis wird sie mit ihren zarten Gesichtszügen, dem offenen, rötlichen Haar, dem melancholischen Blick zum Schönheitsideal. Heute ist sie für uns Inbegriff der italienischen Renaissance. Seit 1849 ist es im Besitz des Städels, das Gemälde „Weibliche Idealbildnis“ von Sandro Boticelli. Es zeigt Simonetta im Profil, mit einem Schmuck, der auf die Medici verweist. Das für ihn typische Licht- und Schattenspiel ist auf diesem Gemälde besonders schön zu sehen, und gibt der Figur etwas Skulpturales, Anmutiges. Ebenso die dunklen Umrandungen des Gesichts und der Hände, die elegische Schwermut.

Das Gemälde ist der Ausgangspunkt der großangelegten Ausstellung, für die 80 Werke aus Museen der ganzen Welt zusammengetragen wurden. Porträtkunst, mythologische Darstellungen und religiöse Bilder sind die Schwerpunkte dieser Schau. Ölgemälde, Zeichnungen und Fresken sind zu sehen. Zwar fehlt die nicht ausleihbare „Geburt der Venus“, aber es sind mehrere „Venus“ Fassungen zu sehen, die für private Käufer angefertigt wurden. Denn die nackte Simonetta wird zur Marktlücke, die Boticelli geschickt zu nutzen weiß. Das aus den Uffizien ausgeliehene Gemälde „Minerva und der Kentaur“ ist eine der wichtigsten Leihgaben der Ausstellung. Ursprünglich hing es in den Schlafgemächern der Medici und sollte die junge Braut an ein moralisch einwandfreies Verhalten gemahnen. Auf dem Gemälde wird eindringlich dargestellt, wie Minerva als Göttin der Weisheit und taktischen Kriegsführung den Kentauren mit seiner Sinnlichkeit und Körperlichkeit bändigt. Die Insignien der Medici zieren ihr Kleid und grünes Blätterwerk der Myrthe schmückt ihren Kopf als Symbol für einen Sieg ohne Kampf. Es ist eine Allegorie der Unerfüllbarkeit sinnlicher Liebe, der Sieg über die wilde, sinnliche Natur. Doppeldeutig aber sieht Minerva den Kentauren melancholisch an, ist der Griff in sein Haar zärtlich.

Die Bildkunst Boticellis variiert jedoch in ihrer Virtuosität beträchtlich. Rüde wirken manche Porträts und Heiligenbilder, sind manche Körperpartien plump dargestellt. Anatomisch richtig ist wohl keines seiner Bilder, und darum ging es ihm auch nicht. Denn trotz dieser Unregelmäßigkeiten wirken viele Bilder schön. Auch die „Anbetung des Kindes“, die sogenannte Edinburgh-Madonna. Die berückend blau-rosa Farbgebung verleiht dem Gemälde eine ätherische Leichtigkeit. Das abgebildete Jesuskind schläft in natürlicher Pose. Jedoch schwebt es fast, und so wird trotz der Idylle der Todesschlaf Jesus angedeutet. Im Hintergrund wird das Felsengrab erkennbar. Maria ist wiederum eine typische Boticelli-Figur mit ihren rötlich-offenen Haaren, den zarten Gesichtszügen Simonetta Vespuccis. Und zeigt uns erneut, wie ihre Schönheit alles andere überstrahlt.

Boticelli

13. November 2009 bis 28. Februar 2010

Städel Museum
Dürerstr. 2
60596 Frankfurt am Main

Julia Reichelt, für die kulturnachrichten Dezemberr 2010

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>