„Gärten: Ordnung, Inspiration, Glück“ im Städel Frankfurt

Edouard Manet (1832-1883)  Die Krocketpartie  Öl auf Leinwand / Oil on Canvas, 73 x 106 cm  Städel Museum, Frankfurt am Main

Was hier im Neubau des Städelgebäudes an Bildern zusammengetragen wurde, verdient eigentlich mindestens einen zweiten Besuch. Über 200 Gemälde die im weitesten Sinne das Thema „Garten“ umkreisen sind aus der ganzen Welt zusammengetragen worden. Auch Schneelandschaften gehören dazu, (Munchs „Sternennacht I“, 1923/24), Friedhöfe von Carl Gustav Carus, Wolken, die John Constable von seinem Garten aus malte.

Es gibt berühmte Gärten wie Monets Giverny, mit seinen Seerosen, die auch nicht fehlen. Inmitten von blühenden Beeten malt er seiner jungen Schwiegertochter. Eugène Delacroix malt den Garten von George Sand in Nohan, Pierre Bonnard seinen eigenen. Cézanne den Blick von seinem grade erstandenen Landsitz Jas de Bouffan bei Aix. Berthe Morisot malt ihr Handarbeiten verrichtendes Dienstmädchen Pasie auf der Gartenbank, den Fokus mehr auf den Mensch als auf die Natur setzend. Die 25jährige Olga Boznańska porträtiert sich selbst in einer Treibhausidylle. Für mich eins der beeindruckendsten Bilder ist die „Sonnenblume II“ von Egon Schiele. Ein extrem schlankes Hochformat einer Sonnenblume, die morbide, zart, ein lebendiges Wesen zu sein scheint. Der Garten bleibt bei fast allen Darstellungen ein idyllischer Ort, programmatisch hängt das „Paradiesgärtlein“ eines unbekannten Malers aus dem 15. Jahrhundert als erstes Bild der Ausstellung. Es ist dann aber nicht die weltentrückte, sondern die alltägliche Idylle, die die Ausstellung bestimmt. Liebermanns „Spielende Kinder“ aus dem Jahr 1882, die „Bäumchen wechsel dich“ im holländischen Dorf Zweelo spielen, oder das herrliche „Frühstück im Freien“ von William Merrit Chaseaus dem Jahr 1887: die Hausherrin leger in der Hängematte, der Hund döst im Gras, das Kleinkind sicher im Korbhochstühlchen.

Auch der Wunsch, die Pflanzenwelt wissenschaftlich zu ergründen hat seinen Platz: Goethes Herbarium ist ausgestellt und Maria Sibylla von Merians Pflanzenzeichnungen aus dem 17. Jahrhundert sind ausgestellt.

Alle sind sie zu sehen: Corinth, Menzel, Spitzweg, Beckmann, Klee, Macke, Max Ernst, Max Klinger, Böcklin, van Gogh, aber auch Joseph Beuys. Sein Ausspruch: „Gartenarbeit interessiert mich nicht“ ist neben anderen im Eingangsbereich zu lesen und seinen fast nicht zu erkennenden so zarten Pflanzen- oder Blumenzeichnungen anzumerken. Diese ganze –lückenhafte Aufzählung vermag jedoch nicht den Zauber dieser Ausstellung einzufangen. Es ist ein Bilderrausch, der einen beglückt. Die Ausstellung macht Laune, sie ist das beste Mittel für die Winter- oder Frühlingsmüdigkeit. Es ist eine Ausstellung, in der man mit wildfremden Besuchern vor lauter Begeisterung über ein Bild ins Gespräch kommt. Und rausgeht mit dem Spruch Voltaires. „Il faut cultiver son jardin“, Candide, 1759

Die Ausstellung ist noch bis zum 11. März 2007 im Städel, vom 5. April bis 8. Juli im Lenbachhaus in München zu sehen. Öffnungszeiten im Städel sind Di, Fr bis So 10-18h, Mi und Do 10-21h, Information: www.staedelmuseum.de

Julia Reichelt, für die kulturnachrichten Februar 2007

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