Die große Sommerperle der Centralstation: Kurt Elling und Till Brönner

Kurt Elling Swings Sinatra photo by Anna Webber

Eine der ganz großen Sommerperlen der Centralstation war im Staatstheater zu hören: nur zwei Konzerte gibt der Ausnahme-Jazzsänger Kurt Elling in Deutschland, eins davon war in Darmstadt. Als special guest stand der Trompeter Till Brönner mit ihm zusammen auf der Bühne. Die New York Times nennt Kurt Elling den herausragenden Jazzsänger unserer Zeit. Achtmal in Folge wurde der markante Bariton außerdem Jazzsänger des Jahres der Jazz Journalists Association.

Mit ihm weht ein Hauch amerikanischen Glamours der fünfziger Jahre auf die Bühne des Staatstheaters. Kurt Elling sieht nicht nur kleidungsmässig mit seinem grauglänzenden Anzug, hellbraunen spitzen Schuhen und farblich darauf abgestimmten Seidentuch in der Brusttasche wie ein Relikt dieser Zeit aus, er hat auch von seiner Stimme her soviel zu bieten, dass er den großen Stars dieser Zeit in nichts nachsteht. Auch wenn er bedauert, dass ihn nicht so viele Leute kennen wie Frank Sinatra, obwohl der schon vor hundert Jahren geboren wurde. Ihm zu Ehren wird er „All the way“ aus dem Jahr 1957 singen. Als Vorstellungstournee seiner neuen CD „Passion World“ angekündigt, singt er an diesem Abend auch viele Songs aus anderen Alben. „April in Paris“ zum Beispiel. Danach erst bittet er den special guest dieses Abends, den deutschen Trompeter Nummer Eins Till Brönner auf die Bühne, der von überall her gekommen wäre, nur um dieses Lied zu hören. Und eigentlich nach diesem Lied nur noch als ehrfürchtiger Zuhörer, nicht als Mitmusiker da sein will, wie er dem Publikum gesteht. Doch so geht es nicht, schließlich ist er auf „Passion World“ mit dabei und trägt mit seinen klaren Soli an diesem Abend viel dazu bei, dass am Ende des zweistündigen Konzerts das Publikum standing ovations bringt. Auch die Musiker von Kurt Ellington kriegen alle die Chance, ihre Ausnahmetalente zu zeigen, angefangen vom Pianisten Gary Versace, über den Gitarristen John Mc Lean, den Schlagzeuger Christian Euman und den Kontrabassisten Clark Sommers, der vor allem als einzige Begleitung zu „The Waking“ sein Können zeigt.

Über allen thront der Gesang von Kurt Elling, der nuancenreich, jazzig mit Leichtigkeit die Höhen und Tiefen meistert, und das mit einer souveränen Lässigkeit, die einen nur noch Staunen lässt.

Der mit einer Tänzerin verheiratete Ellling tänzelt dabei selbst leichtfüssig über die Bühne oder klopft mal mit einem Tamburin exakt den Takt mit.

Zum Mambo „Si te contara“ kommt Brönner auf die Bühne, vor allem bei den lateinamerikanischen Liedern ist er als Begleitung mit dabei. Mit Till Brönner ist es nicht die erste Zusammenarbeit: auf dessen Album „Rio“ ist Elling mit seinem Gesang vertreten. Die Hommage an den aus Kuba geflohenen Arturo Sandoval spielt Brönner melancholisch mit abgedämpfter Trompete, auf der CD ist es Sandoval selbst. Den kubanischen Jazzmusiker und Trompeter hat Elling zufällig auf einer Kreuzfahrt kennengelernt, als sie nebeneinander an der Reling standen und im Dunkeln die Lichter von Kuba leuchten sahen. Inspiriert von seinem Schicksal schrieb er den Text zu „Bonita Cuba“.

Traurige Balladen wie das schottische Liebeslied „Loch Tay Boat Song“ singt Elling mit weichem Bariton, lautmalerisch macht er verschiedene Instrumente und Percussion nach. Einmal auch im direkten Duo mit Till Brönner, dessen Trompetenklängen er seine improvisiert klingende Vokalkunst entgegensetzt. Smart bringt er dies freie Scatting locker rüber, bleibt dabei perfekt im Rhythmus. Zwar singt er nicht das deutsche Liebeslied „Nicht wandle mein Licht“ von Johannes Brahms, das auf „Passion World“ zu hören ist. vielleicht, weil ihm sein Deutsch auf dem Flughafen abhanden gekommen war und erst fünf Minuten vor seinem Auftritt wieder zu ihm fand, wie er gleich zu Beginn erzählt. Aber das macht nichts, denn nicht nur er ist zufrieden, als er das Publikum mit dem Blues „I’m satisfied“ in den Sommerabend entlässt.

 

Copyright Julia Reichelt, für das Darmstädter Echo 13..Juli 2015

 

 

 

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