Probenbesuch „Frau Koma kommt“ Jugendclub Staatstheater Darmstadt

 Jugendclub_Frau Koma kommt

Seit Oktober haben zwölf Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren unterstützt von Schauspieler Julius Bornmann und Regisseurin Vanessa Wilcke ihr eigenes Stück geschrieben und entwickelt. Und dabei auch einiges übers Mutigsein gelernt.

Am Freitag ist Premiere von „Frau Koma kommt“ des Jugendclubs vom Staatstheater Darmstadt.

Schwierig, in der Weltliteratur ein Theaterstück mit elf Mädchen und einem Jungen zu finden – also haben die Jugendlichen ihr Stück kurzerhand selbst geschrieben. Es sollte eine bedrohliche Situation darin vorkommen, in der stereotype Personen ihre Maske verlieren, eine Konfliktsituation, in der sie ihr wahres Ich zeigen, einen Wandel durchmachen. So entstand die Idee einer Schulkasse mit Typen wie Streberin, Links-Radikaler, Gothicgirl oder christlichem Jungen. Und einem Amokläufer im Schulgebäude.

Alle haben die eigene Rolle selbst entwickelt und geschrieben. Aus den fiktiven Rollenbiographien sind Monologe entstanden, die die Grundlage für das Stück bilden. Und die haben wiederum viel mit ihnen selbst zu tun, weil sie danach fragen, wovor die Figur Angst hat, welche Sehnsüchte sie hat oder wie sie in Krisensituationen reagiert.

Riskiert was! Ist ganz klar die Aufforderung, die von Julius Bornmann während der Proben immer wieder kommt. Auch wenn es peinlich ist, denn nur so entsteht Authentisches, nicht bloß Rezitiertes. Theater ist kein „Vorsingen, Nachsingen“, wie er im Gespräch in der Theaterkantine im Anschluss an die Probe erzählt. So mussten die Jugendlichen zu Beginn ihren Monolog einzeln vor allen Anderen spielen, hat er mit ihnen typische Übungen aus der Schauspielschule gemacht, um ihre Konzentration, die Körperwahrnehmung und die Wahrnehmung füreinander zu sensibilisieren.

Wie wichtig diese Art der Selbsterfahrung ist, hat er selbst erlebt, als er mit vierzehn Jahren zum Jugendclub im Theater Marburg kam. Dort haben sich auch eine Regisseurin und ein Schauspieler, der schauspielerische Grundlagen vermittelt, die Aufgabe geteilt. Für ihn war es der wichtigste Entwicklungsschritt in seinem Leben, weil er über das Spiel viel über sich erfahren hat, und vor allem wie wichtig es ist, mutig zu sein. Und das gibt er nun an die Jugendclubmitglieder weiter, erstmals selbst Schauspielcoach. Und die danken es ihm und nennen ihn „Selbstbewußtseinsstärker“.

Noch wird an der Abschiedsbriefszene gefeilt und deutlich, wie schwierig schnelles Timing sein kann. Es ist die längste Szene im Stück, in der alle aus ihren Briefen an die Eltern lesen und aus zwölf verschiedenen ein gemeinsamer Abschiedsbrief wird. „Denkt euch keinen Punkt am Satzende, sondern ein Komma“, heißt es vom Regiepult her. „Bleibt oben mit der Stimme. Die Anschlüsse müssen schneller kommen.“ Vanessa Wilcke hat schon öfters mit Jugendlichen oder Laien gearbeitet, ihr größtes Projekt war im letzten Jahr die Bürgerbühnen-Inszenierung von Bertolt Brechts Lehrstück „Der Jasager. Der Neinsager.“ mit 700 Theaterlaien in Celle. Parallel zu „Frau Koma kommt“ inszeniert sie gerade die Erzählung „In der Strafkolonie“ von Franz Kafkas, die zusammen mit „Ein Bericht für eine Akademie“ am 2. April im Kleinen Haus Premiere hat.

Die Spannung über die ganze Stunde, die „Frau Koma kommt“ dauern wird, aufrecht zu erhalten, ist eine Herausforderung. Alle müssen ohne Verschnaufpause in ihrer Rolle bleiben, weil sie durchgängig auf der Bühne sind. „Richtig oder falsch gibt es im Theater nicht“, sagt sie, „Was am Ende zählt ist: Habe ich die Geschichte gut erzählt?“

 

Premiere 27. März, 20.00 Uhr | Kammerspiele, Weitere Vorstellungen am 28. und 29. März | Kammerspiele

 

Mit Leonie Ohlemüller, Katharina Kamm, Merle Schwuehow, Meike Geiger, Sarah Mühlenberg, Felicitas Higgins, Aleksandar Kerosevic, Darya Sotoodeh, Paula Fröhlich, Alena Strebert, Tamara Stehr, Lotta Mayr, Julius Bornmann

Regie und Bühne: Vanessa Wilcke

Schauspielcoach: Julius Bornmann

Kostüme: Hanna Santelmann

Theaterpädagogik: Geraldine Blomberg

 

 

 

 

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