Die ESOC Theatre Group spielt wieder!

Gleich drei Stücke über Beziehungen und familiäre Bande feiern am heutigen Donnerstagabend im West Side Theatre in Darmstadt Premiere. Wie der Besuch eines Freundes eine Ehe durcheinanderrüttelt, ein alter Mann von seinen traumatischen Erinnerungen eingeholt wird – und schließlich eine Parodie auf „Die Glasmenagerie“ von Tennessee Williams, dies alles wird die Schauspieltruppe der ESOC gemeinsam mit dem Frankfurter English Speaking Theatre mitreißend auf die Bühne bringen. Der Abend wird drei Stunden inklusive Pausen dauern.Vor zwei Jahren hat sie im Böllenfalltorwald das märchenhafte Stück „Trail of Stones“ von Gwen Strauss mit viel Musik aufgeführt, jetzt inszeniert Ruth Armstrong eins der bekanntesten Stücke des amerikanischen Schriftstellers Christopher Durang. Der hat das melancholische Drama „Die Glasmenagerie“, das 1945 Tennessee Williams zum Durchbruch verhalf, so oft auf der Bühne gesehen, das ihm die Idee kam, eine Parodie auf diese triste Familiengeschichte zu schreiben. Er gibt ihr eine absurde Richtung ohne das Grundgerüst der Ursprungshandlung ganz aufzugeben. Melanie Zander spielt die alleinerziehende Mutter mit Südstaatencharme Amanda Wingvalley diesmal zweier Söhne statt Tochter und Sohn: den hypochondrischen Nesthocker Lawrence (Rick Blake) und den grobschlächtigen Mannskerl Tom (Andy Williams). Mit aller Macht will sie den schönen Schein wahren. Als Tom endlich einmal einen weiblichen Gast (Asha Parmar) zum Abendessen einlädt, keimt die Hoffnung auf, Lawrence endlich loszuwerden und selbst ein neues Leben zu führen. Doch der kümmert sich, wie Laura Wingfield im Williams-Stück vor allem um seine Sammlung von Glasnippes, doch sind es hier Cocktail-Rührstäbchen, die er liebevoll mit Namen betitelt. So absurd dieser halbstündige, urkomische Schlagabtausch ist, steckt dennoch etwas von der Melancholie vergangener Hoffnungen und Erinnerungen der „Glasmenagerie“ hinter dieser Verspottung.

Auch in der nun erstmals aufgeführten Komödie Bruno Sousas „A friend of a friend“ wirbelt ein Unbekannter das Beziehungsgefüge durcheinander: Sam Johnson (Carlo Ghisi) konnte es seinem Freund Jacques einfach nicht abschlagen, als der ihn bat, einen unbekannten Freund für ein paar Tage bei sich aufzunehmen. Was dann passiert, erfährt der Zuschauer ohne diesen unbekannten Dritten im ehelichen Schlafzimmer. Denn erst ist Ehefrau Helen (Hayley Letori) von dem ungebetenen Gast alles andere als begeistert, dann wendet sich das Blatt, als auch noch die Freundin Susan (Gerrit-Milena Strätling) von dem Eindringling schwärmt.

Diese kammerspielartige Komödie entstand 2012 und zeigt, wie unterschiedlich der Raumfahrtsingenieur Bruno Sousa schreiben und auch Regie führen kann. Ganz anders als sein letztes, eher nachdenkliches, gesellschaftskritisches Stück „A black horse“, das 2013 im West Side Theatre aufgeführt wurde, ist es hier eine temporeiche Komödie, die temperamentvoll und mit viel physischem und mimischem Einsatz erzählt wird, dank der schauspielerischen Talente von Carlo Ghisi, Hayley Letori und Gerrit-Milena Strätlin.

Für das mittlere der drei kurzen Stücke hat sich die ESOC Theatre Group Unterstützung aus Frankfurt geholt: das dort ansässige English Speaking Theatre FEST beteiligt sich mit der Uraufführung „Snowdrop“ von Mike Riepl und gibt dem Abend Ernsthaftigkeit ohne auf Humor zu verzichten. Was passiert, wenn ein alter Mensch sehr lange allein lebt und immer mehr in seine Fantasiewelt der Erinnerungen abdriftet? Dem geht Mike Riepl in diesem Drama nach, das er nach biographischen Erlebnissen mit der eigenen Mutter geschrieben hat. Die Rolle des Reg wird von Eric Beveridge verkörpert, der mit über 80 Jahren das älteste Mitglied der ESOC Theatre Group ist. Er lebt zurückgezogen, wird immer wieder von dem traumatischen Erlebnis eingeholt, als seine Frau Jackie beim Autounfall ums Leben kam, während er am Steuer saß. Jackie (Alexandra Sokolowski) erscheint ihm auch leibhaftig und verwirrt ihn so, dass er den eigenen Sohn David (Ivan Aksenov) und seine Enkelin Julie (Sumithra Retnam) nicht mehr erkennt.

Ende Mai werden sich „A friend of a friend“ und „Snowdrop“ in Hamburg beim FEATS (Festival of European Anglophone Theatrical Societies) wiedersehen, ein jährlich stattfindender Wettbewerb, an dem englischsprachige Amateurtheatergruppen aus ganz Europa teilnehmen. Sowohl Bruno Sousa als auch Mark Riepl haben bereits den begehrten Preis des „Best Original Script“ gewonnen. „A friend of a friend“ wird das Festival eröffnen, „Snowdrop“ wird am letzten Abend zu sehen sein.

Aufführungen und Karten

16., 17., 18., 22., 23., 24. und 25. April 2015 um 19:00 Uhr West Side Studio Darmstadt, Landwehrstraße 58

Karten zu 15€ online unter www.esoctheatre.org

Snowdrop wird außerdem am 8., 9., 10., 15., 16. und 17. Mai 2015 in der Katakombe (Pfingstweidstraße 2, Frankfurt) gemeinsam mit zwei weiteren FEST-Stücken präsentiert. Karten hierzu unter www.festfrankfurt.org.

Copyright Julia Reichelt, für das Darmstädter Echo

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