„Lux / Glory“ – das Ballett du Grand Théâtre de Genève im Staatstheater Darmstadt.

GLORY,  Bildrechte Gregory Batardon

Mit Licht und Glorie, dem Doppelabend „Lux / Glory“ gastiert das Ballett du Grand Théâtre de Genève im Staatstheater Darmstadt. Die beiden neoklassizistischen Choreographien von Ken Ossola und Andonis Foniadakis erweitern das Spektrum an Gastspielen, die Kurator Bruno Heynderickx ins Haus holt und fanden beim Publikum viel Beifall.Mit „Mémoire de l´ombre“ war im Staatstheater Wiesbaden der dritte Teil eines Triptychons von Ken Ossola zu sehen, in Darmstadt zeigt er den 2012 entstandenen zweiten Part „Lux“ zum Requiem von Gabriel Fauré. Der 1887 entstandenen Todesmesse von Fauré kommt der in Genf geborene Choreograph mit Zuversicht bei und legt ein Gegengewicht zum düsteren Sujet. „Wenn der Tod so schön ist, wie Fauré ihn beschreibt, habe ich keine Angst zu gehen und kann in Frieden sterben“ sagt er über seine Auseinandersetzung mit der Musik. Und so findet man auch den Tod nicht auf der leeren und schwarzen Bühne wieder, auch wenn im Hintergrund mit einer Kabelinstallation die Andeutung eines Lebensfadens hängt und die luftigen Kostüme (Bühne und Kostüme: Jean-Marc Puissant) an die Gunther von Hagens präparierten Körper erinnern: auf den transparenten Oberteilen scheint ein Skelett mit Muskeln appliziert zu sein.

Bei Ossola wird die schmerzvolle Reise zum Tod ein ordentlich symmetrisches Spektakel. Immer wieder finden sich Paare zusammen, während das Ensemble in einer Reihe am Rand der Bühne steht und langsam einer nach dem andern abgeht. Synchron und symmetrisch, abgezirkelt sind die Bewegungen, die der von Jiří Kylián und William Forsythe geschulte Choreograph findet. Assoziationen zum Sterben lässt er durch konvulsivische Bewegungen entstehen, Tänzer, die synchron zu Boden fallen und mit den Beinen in der Luft zucken. Der Tod nivelliert alle Unterschiede – Individualität ist nicht mehr.

Die knapp einstündige Choreographie „Glory“, 2012 für das Genfer Ballett entstanden, fügt sich von der Szenerie her passend ein in diesen ursprünglich nicht als Diptychon geplanten Abend.

Die bis auf eine Treppe im Hintergrund leere Bühne von der die 21 Tänzerinnen und Tänzer auftreten, ist wie bei „Lux“ in Nebel getaucht. Anders als Ken Ossola, der sich erstmals für „Glory“ mit Gabriel Fauré auseinandersetzte, ist der griechische Choreograph Andonis Foniadakis ein Spezialist für barocke Musik – weswegen ihn Philipp Cohen, Ballettdirektor des Genfer Balletts, für diesen Abend ausgewählt hat. Arrangiert von Julien Tarride nutzt er die Musik von Georg Friedrich Händel um eine hoch energetische Nummernrevue zu präsentieren. An der Rudra Béjart Schule in Lausanne hat Foniadakis studiert, später bei Maurice Béjart getanzt. Archaisch und dunkel, kraftvoll und expressiv lässt er die Tänzer raum- und bodengreifend jeden Takt austanzen. In Zeitlupe oder synchron zu den 23 Partien der Barockmusik. Die atemberaubend schnellen Rhythmen halten die Tänzer mit, stellen mit Sprüngen und Spagat, Pirouetten und akrobatischen Menschentürmen ihr Können unter Beweis. Ruhige Momente entstehen durch die langsamen Partien der Musik. Gibt es in unserer Zeit noch Glanz? hatte sich Andradis Foniadakis für „Glory“ gefragt. Von der tänzerischen Leistung her gesehen: auf alle Fälle.

Copyright Julia Reichelt, für das Darmstädter Echo 8.12.2014

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