Die Raumkunst von Kawarth+Todisko

Karwarth+Todisko, Golden, 2014, Bildrecht Kolja Raschke

Zu bedrohlichem Sound schweben die goldschimmernden Objekte von Kawarth+Todisko in einer der ehemaligen Schutzkammern des Atomschutzbunkers am Karolinenplatz. Ein junger Mann schneidet ruhig und konzentriert an den sinkenden Objekten Folie ab, dann schweben sie wieder empor. Räumliche Wahrnehmung fasziniert die Bühnenbildnerin Inna Wöllert, deren freie Rauminstallationen unter dem Namen Kawarth+Todisko entstehen. Sie experimentiert mit verschiedenen Raumsituationen: sei es im Bunker, wo durch die niedrige Deckenhöhe und den Betonbau schon ein an sich beklemmender Raum vorherrscht oder während des Sommerfestes im Kunstarchiv, wo sich die frei durch die Räume schwebenden Objekte „GOLDEN#2“ auch gegen ein Durchgangspublikum behaupten konnten. Die Vorliebe zu folienartigen Materialien spielt in ihren neueren Arbeiten eine große Rolle, wie die Magnetbänder analoger Videotapes oder das Glänzende, Feine des Materials der Rettungsfolie, das sie für ihre schwebenden Objekte „GOLDEN“ verwendet.

„Was muss ich ändern, damit etwas Seltsames entsteht?“ fragt sie sich beim Konzipieren. Was sich entwickelt, lässt sich anschließend schwer in Worte fassen, ist atmosphärisch unglaublich dicht. Verlangt nach Stille und Konzentration.

Kawarth+Todisko ist aber auch eine große Erzählerin von Geschichten, die etwas Unheimliches, Beklemmendes haben. Ihre erste große Rauminstallation „pandora/box“ (2002), ist inspiriert von der Hauptdarstellerin Melanie Daniels in Hitchcocks Film „Die Vögel“. Die Besucher müssen durch ein labyrinthisches Raumgeflecht mit engen Gängen und Türen, die sich laut hinter ihnen schließen hindurch, werden zu Entdeckern von etwas Schrecklichem. Ihre Videoarbeit „missed“ (2006) ist als Abschlussarbeit ihrer Meisterschülerzeit bei Roland Schimmelpfennig in der Kunsthochschule Berlin Weißensee entstanden. Filmstills aus Hitchcocks „Vertigo“ verfremdet sie, indem sie eine andere Frau in die Bilder hineincollagiert, die offenkundig vermisst – oder gar schon tot ist. „She´s dead, isnt´t she? ist als Untertitel über einem der Bilder zu lesen. Etwas Rätselhaftes zu evozieren auch indem sie Dinge verhüllt, findet sich auch in ihrer Collagen-Serie „Lost pictures“, die 2012 in der Earlstreet ausgestellt waren. Den Zufallsfund eines Fotos, das eine im Halbdunkel sitzende Frau zeigt, verfremdet Kawarth+Todisko, indem sie vom Motiv so viel wegnimmt, dass noch ein vermeintlicher Wiedererkennungswert bestehen bleibt. Inspiriert von Leonardo da Vincis Ausspruch: „Nicht enthüllen, wenn Dir die Freiheit lieb ist“.

Copyright Julia Reichelt, für das ARTMAPP Magazin, November 2014

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