Lohnt sich trotz Längen: Odysee

Zum Auftakt der neuen Spielzeit zeigt Intendant Karsten Wiegand direkt bei der ersten Oper (Regie Jay Scheib), was er alles anders macht. Er holt die Zuschauer direkt auf die Bühne und lässt sie das Stück im ersten Teil so erleben, wie es sonst nie der Fall ist: inmitten der Künstler.Und das bleibt ein einmaliges Erlebnis. Auch wenn es mit Luigi Nonos „Hay que caminar…Andrej Tarkowsky“ losgeht und sich die Zuschauer noch nicht so recht trauen, hin und her zu laufen, weil ihre Schritte in den zahlreichen komplett tonlosen Momenten zu stark zu hören sind.Denn die Idee ist, dass sich jeder frei bewegen soll, so seine eigene „Odysee“ erleben kann. Als Fortuna, Amor und Telemaco in die Höhe gezogen werden und erst von meterweit oberhalb der Bühne, später inmitten der Zuschauer singen, ist spürbar, welch sängerische Kraft dahinter steckt – die sonst vom Publikumsraum in dieser Eindringlichkeit nicht erlebbar ist. So wie auch die Möglichkeit, ganz nah an die Orchestermusiker und an den Dirigenten (George Petrou) heranzurücken und gezielt einzelne Instrumente herauszuhören.

Nach der Pause ist auf der Bühne eine Tribüne entstanden, die Szenerie der Odyssee spielt in Richtung Zuschauerraum. Trotz sängerischer Glanzleistung und David Pichlmaier (Ulisse) und Mary-Ellen Nesi (Penelope) einer Traumbesetzung zieht sich dieser noch einmal knapp zweistündige Teil ohne Pause aber doch recht hin. Auch wenn die technischen Möglichkeiten der Bühne gekonnt eingesetzt werden und es auch sonst nicht an Regie- oder Kostüm-Einfällen mangelt (Bühne Philipp Bußmann, Kostüme Meentje Nielsen).

Weitere Aufführungen: 09.10. (im Anschluss Publikumsgespräch), 10.10., 19.10. und 24.10. | Großes Haus

ODYSSEE

Oper von Claudio Monteverdi: Il ritorno d’Ulisse in patria (Die Heimkehr des Odysseus)
Text von Giacomo Badoaro
Prolog von Luigi Nono: No hay caminos, hay que caminar (Es gibt keine Wege, also geh)

Mit: Mary-Ellen Nesi, Katja Stuber, Jana Baumeister, Anja Bildstein; David Pichlmaier, Rudolf Schasching, Minseok Kim, Thomas Mehnert, Vasiliy Khoroshev, Oleksandr Prytolyuk, Andreas Wagner u.a.

Musikalische Leitung: George Petrou, Joachim Enders, Elias Grandy
Regie: Jay Scheib
Bühne: Philip Bussmann
Kostüme: Meentje Nielsen
Dramaturgie: Berthold Schneider
Chor: Joachim Enders

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

 

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